- Oct 11, 2025
Selbst anlegen oder delegieren?
- Carina Schaurte
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Gerade hat Martina wieder ein Schreiben ihrer Bank erhalten. Darin steht, dass die Gebühren für ihr Depot und die Transaktionskosten ab dem nächsten Jahr steigen. Gleichzeitig bietet ihr die Bank an, die Verwaltung ihres Vermögens künftig vollständig zu übernehmen – sie müsse sich dann um nichts mehr kümmern.
Martina runzelt die Stirn. Wie soll das gehen?
Bei ihrem nächsten Termins spricht sie ihren Berater direkt darauf an.
„Nun, es ist ganz einfach“, erklärt er ihr in wohlwollend-väterlichem Ton. „Unsere Kosten steigen – regulatorische Anforderungen, Inflation, Sie kennen das ja. Aber die gute Nachricht ist: Jetzt, wo Ihr Unternehmen gut läuft und Sie bereits etwas angespart haben, können wir Ihnen ein Vermögensverwaltungsmandat anbieten. Dann kümmern wir uns um alles, treffen die Anlageentscheidungen für Sie, und Sie können sich ganz auf Ihr Catering konzentrieren.“
Martina bedankt sich, bittet aber um Bedenkzeit. Der Gedanke, die Verantwortung einfach abzugeben, klingt verlockend – gerade, weil sie kaum Zeit hat, sich intensiv mit Märkten oder Produkten zu beschäftigen. Andererseits fragt sie sich: Will ich meine Finanzen wirklich komplett aus der Hand geben?
Am Abend, bei einer Veranstaltung, hört sie zufällig ein Gespräch mit. Zwei junge Männer stehen am Stehtisch, genießen ihre Käsekugeln und diskutieren über ihre Bank.
„Ich bin jetzt bei einem Online-Broker“, sagt der eine stolz. „Kein Depotentgelt, super App, minimale Gebühren – perfekt!“
„Ach was“, meint der andere, „das ist mir zu unsicher. Bei diesen Start-ups weiß man nie, wann sie verkauft werden oder pleitegehen. Außerdem will ich einen Ansprechpartner aus Fleisch und Blut. Ich habe mein Geld bei einem unabhängigen Vermögensverwalter – die kümmern sich um alles, und ich spare mir die Bankgebühren.“
Martina hört aufmerksam zu. Zwei völlig unterschiedliche Ansätze – und beide klingen plausibel.
Am nächsten Morgen sitzt sie wieder an ihrem Küchentisch, Laptop aufgeklappt, Notizbuch daneben. Mit der Hilfe ihres treuen digitalen Begleiters versucht sie, Klarheit zu gewinnen.
Sie lernt: Es gibt grundsätzlich zwei Wege.
Das sogenannte Self-Directed Investing – bei dem sie selbst die Entscheidungen trifft, ihr Depot verwaltet und die volle Kontrolle behält. Und die Vermögensverwaltung, bei der sie die Verantwortung an Profis delegiert, die im Rahmen eines Mandats für sie investieren.
Beides hat seinen Reiz:
Selbst zu entscheiden bedeutet Freiheit und Transparenz – aber auch Zeit und Wissen zu investieren.
Delegieren heißt Entlastung und professionelle Betreuung – aber auch Vertrauen und höhere Kosten.
Martina versteht: Bevor sie den richtigen Anbieter finden kann, muss sie zuerst eine grundsätzliche Entscheidung treffen.
Will ich mich selbst um mein Geld kümmern – oder jemanden finden, dem ich diese Verantwortung anvertrauen kann?